Ist ein Testament sinnvoll? - "Ja" sagt Steuerberater
Geplantes und gestaltetes Vererben rettet Familienvermögen
Gedanken am 15.09.2019 von Counselor Ralph J. Schnaars, Steuerberater, Norderstedt
Ist ein Testament sinnvoll?
Auf diese Frage gibt es nur eine einzige Antwort: JA.
Sollte kein Testament vorliegen und/oder sollte kein Testament gemacht sein, wird alles, entsprechend der gesetzlichen Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) abgewickelt.
Das Testament heißt mit anderen Worten ja auch „letzter Wille“,
das heißt, der Erblasser bzw. der Verstorbene kann mit seinem letzten Willen, verschiedene Verfügungen und sogar Anweisungen und auch Bestimmungen über die Verteilung des Erbes treffen.
Sehr sinnvoll sind zum Beispiel Verfügungen, sofern sie nicht vorher schon vertraglich und anders geregelt sind, zu der Geschäftsführung im Unternehmen, zu den Zielen des Unternehmens, zur Philosophie des Unternehmens und möglicherweise auch zu der Zukunft.
Da man nie genau weiß, wann ein Todesfall eintritt, sollte man mit dem Aufstellen des Testaments auch nicht warten, bis man selbst der Meinung ist, „es sei soweit“,
sondern ein Testament sollte auch schon in jüngeren Jahren und während des Aufbaus einer Selbständigkeit geschrieben sein.
Im Testament kann, wie oben schon angedeutet, Verschiedenes geregelt werden, wobei die Regelung, steuerlich nennt es sich „vorweggenommene Erbfolge“ vor dem Todesfall zu treffen und vor einem Todesfall auch diese Regelungen abzuwickeln, immer sinnvoller ist, als darauf zu hoffen, dass nach einem Todesfall die Erben auch den eigenen Willen so umsetzen und Geschaffenes so fortführen, wie man es sich wünscht.
So ist es wesentlich besser, Geschäftsleitungsvorschriften oder Gesellschaftsanteile oder Unternehmensanteile oder auch Immobilienvermögen noch zu Lebzeiten auf seine Erben zu übertragen, da hierdurch einerseits Erbschaftssteuern durch die Ausnutzung von steuerlichen Freibeträgen gespart werden können und andererseits auch diese Verfügungen unter Lebenden selten mit Einsprüchen oder Widersprüchen und Klagen überzogen werden, wie es häufig, nach dem Todesfall, zwischen verschiedenen Erben vorkommt.
Ein genaues Testament, das dann, für das restliche Vermögen und die restlichen noch nicht geregelten Dinge, Anweisungen trifft, sollte immer aktuell sein. Hier bietet es sich an, den Stand einmal jährlich zu überprüfen, da vielleicht ja im Testament noch das Einzelunternehmen vererbt wird, obwohl das Unternehmen bereits an die GmbH verkauft oder in eine GmbH umgewandelt wurde. Auch kann sich der Bestand im Immobilienvermögen geändert haben, so dass die Aktualisierung der testamentarischen Verfügungen äußerst sinnvoll ist.
Ein vernünftig abgefasstes Testament kann auch Erbschaftsteuern sparen und die Freibeträge besser ausnutzen, ohne dass die Erben andere Erbteile bekommen, als es nach den gesetzlichen Vorschriften passieren würde.
Auch sind die Möglichkeiten Nießbrauch oder Wohnrecht zu bestellen nach dem Tod, ohne Testament nicht mehr möglich.
Abzuraten ist allerdings von dem sehr gebräuchlichen Berliner Testament, das die Eheleute gemeinsam abfassen und sich gegenseitig als „Alleinerben“ einsetzen.
In diesem Berliner Testament verliert die Familie sehr viel an Freibetragsvolumen, und zahlt möglicherweise unnötig mehr an Erbschaftsteuern, als es sein müsste.
Um dieses etwas deutlicher zu machen, ein Beispiel und ein Gegenbeispiel:
Beispiel
Die Eheleute vereinbaren im gemeinsamen „Berliner Testament“, dass der Erstversterbende den Ehepartner als Alleinerben einsetzt (z.B. Vater verstirbt und Mutter erbt.) Vom, in der Erbschaftsteuer zu versteuernden Vermögen des Vaters, wird bei dem Anteil der Mutter der Freibetrag für Eheleute abgezogen. Die Mutter hat hier einen Vermögenszuwachs, der zusammen mit dem eigenen Vermögen der Mutter, nach dem Tod der Mutter auf die Kinder übergeht. Beim Übergang des Vermögens auf die Kinder bekommt jedes Kind dann den Eltern/Kind-Freibetrag.
In Zahlen beispielhaft ausgedrückt:
Das Vermögen der Eheleute beträgt 1 Million Euro und die Eheleute haben ein Kind, welches später alles erben soll. Berechnung 1) ist gemacht mit Berliner Testament, Berechnung 2) ist gemacht ohne Berliner Testament.
1) Berechnung mit Berliner Testament:
Vermögen insgesamt | 1.000.000 |
davon gehören 50 Prozent der Ehefrau | 500.000 |
Erbe von Vater also | 500.000 |
davon nach Berliner Testament 100 Prozent für die Ehefrau |
500.000 |
Freibetrag unter Eheleuten | 500.000 |
Vererbung kostet hier also keine Erbschaftsteuer. | |
Nach Tod der Mutter Vermögen der Mutter |
1.000.000 |
Vererbung von Mutter an Kind | 1.000.000 |
Freibetrag für Kind | 400.000 |
Steuerpflichtiges Erbe | 600.000 |
Steuersatz 15 Prozent Erbschaftsteuer |
90.000 |
2) Berechnung ohne Berliner Testament und ohne weitere Regelungen |
|
Vermögen der Eheleute gesamt | 1.000.000 |
davon gehören 50 Prozent der Ehefrau | 500.000 |
Erbe von Vater also | 500.000 |
davon ohne Berliner Testament a) 50 Prozent für die Ehefrau |
250.000 |
Freibetrag unter Eheleuten | 500.000 |
b) 50 Prozent für Kind |
250.000 |
Freibetrag für Kinder | 400.000 |
Vererbung kostet hier keine Erbschaftsteuer. |
|
Nach Tod der Mutter Vermögen der Mutter |
750.000 |
Vererbung an Kind |
750.000 |
Freibetrag für Kind | 400.000 |
Steuerpflichtiges Erbe |
350.000 |
Steuersatz 11 Prozent Erbschaftsteuer |
27.500 |
Da das Kind im Beispiel 2) einen Teil seines Erbes schon beim Tod des Vaters bekommt, spart die Familie – ohne große Schwierigkeiten – 62.500 Euro.
Sofern die Mutter abgesichert sein soll, gibt es die Möglichkeiten z.B. ein Wohnrecht oder Nutzungsrecht zu bestellen und Erbstreitigkeiten werden so vermieden.
Das Gefährliche an einem Berliner Testament ist, einerseits der Verlust des Freibetrags für Kinder (bei dem ersten Todesfall) und andererseits, dass nach dem Tod des Erstversterbenden (hier: Vater) der Ehegatte keine anderen Verfügungen mehr treffen kann, da das Berliner Testament alles – auch bis zum Tod (hier: der Mutter) festgeschrieben hat. Ein einmal geschriebenes Berliner Testament kann auch nur durch beide Ehegatten gemeinsam geändert werden. Sobald der eine Ehegatte verstorben ist, ist also eine Änderung oder Erweiterung nicht mehr möglich.
Wenn wir das obige Beispiel etwas anders ablaufen lassen und das Vermögen der Eheleute z.B. im Jahr 2018 schon teilweise an das Kind übertragen wird, und die Eheleute nicht vor dem Jahr 2029 versterben, ist das ganze Vermögen erbschaft- und schenkungsteuerfrei auf das Kind übertragbar.
Rechenbeispiel:
|
|
---|---|
Vermögen der Eheleute |
1.000.000 |
Schenkung in 2018 von Vater an Kind |
125.000 |
Freibetrag für Kind | 400.000 |
Dieser Vorgang ist eine steuerfreie Schenkung. | |
Schenkung in 2018 von Mutter an Kind |
125.000 |
Freibetrag für Kind | 400.000 |
Dieser Vorgang ist eine steuerfreie Schenkung. | |
Restvermögen der Eheleute |
750.000 |
Beide Eheleute versterben nach 2029 Kind erbt von Mutter |
375.000 |
Freibetrag für Kind Steuerfreie Erbschaft. |
400.000 |
Kind erbt von Vater |
375.000 |
Freibetrag für Kind Steuerfreie Erbschaft |
400.000 |
Bei dieser Gestaltung zahlt die Familie 0,00 Euro Erbschaftsteuer.
Resultat:
Durch Planen und Gestalten der Vermögensweitergabe an die Kinder oder Erben, kann erhebliches Vermögen gerettet werden, was ohne Gestaltung oder Planung für die Kinder oder die Erben einfach durch Steuerzahlung verloren wäre.
F A Z I T
Ist ein Testament sinnvoll?
Hierauf muss die Frage immer mit JA beantwortet werden und dennoch sollte nicht alles im Testament geregelt sein, sondern es sollte Vermögen auch schon zu Lebzeiten weitergegeben werden, da dieses am meisten Familienvermögen vor einer Besteuerung rettet.
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In diesem Zusammenhang ist auch unser Beitrag "Erbschaftsteuer / Schenkungsteuer" interessant. Lesen Sie gerne weitere Gedanken zum Thema Vererben auf der Seite
Beachten Sie bitte den Rechtsstand dieses Textes: 15.09.2019.
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